Geschichte

Mehr als 40 Jahre für Sie unterwegs

Der Großraum-Verkehr Hannover (GVH) blickt auf eine bewegte Geschichte zurück - und hat selbst Vieles bewegt. Vor seiner Gründung waren die Zustände im hannoverschen Nahverkehr sehr problematisch: Ende der 1960er-Jahre war dieser kaum vom Autoverkehr getrennt, sodass es zu ständigen Verspätungen kam und die Fahrgäste im fließenden Verkehr ein- und aussteigen mussten. Ältere und mobilitätseingeschränkte Fahrgäste konnten Busse und Bahnen kaum nutzen.

Hinzu kam, dass die einzelnen Unternehmen in Konkurrenz zueinander standen. Ihre Fahrpläne waren deshalb nicht aufeinander abgestimmt und jedes hatte ein eigenes Tarifsystem. Wer in ein anderes Nahverkehrsfahrzeug umstieg, musste deshalb einen neuen Fahrschein lösen.

Die "Rote-Punkt-Aktion" wurde 1969 zur Initialzündung für die Gründung des Verkehrsverbundes:
Auto mit rotem Punkt nimmt Fahrgäste mit.

Die 60er-Jahre: "Rote-Punkt-Aktion", 50-Pfennig-Ticket und GVH Geburtsstunde

Diese Zustände waren für die Hannoveraner ein großes Ärgernis. Zu Protesten kam es allerdings erst, als die üstra 1969 eine Erhöhung der Fahrpreise ankündigte: Einzelfahrscheine "geradeaus" sollten nun 80 Pfennig statt vorher 70 Pfennig und Umsteigekarten 90 Pfennig statt vorher 80 Pfennig kosten.

Dagegen gingen die Menschen in Hannover auf die Straße. Demonstrationen und Blockaden brachten den Straßenbahnverkehr zeitweise zum Erliegen. Die Hannoveraner organisierten ihren Nahverkehr nun selbst: Viele Autobesitzer klebten einen roten Punkt hinter die Windschutzscheiben - ein Zeichen dafür, dass fremde Menschen zusteigen können. Sie hielten auch an den Haltestellen und nahmen wartende Fahrgäste mit.

Die "Rote-Punkt-Aktion" wurde zur Initialzündung für die Gründung des Verkehrsverbundes: Am 17. Juni 1969 beschloss der Rat der Stadt Hannover die Einführung eines 50-Pfennig-Einheitspreises für Sammelkarten. Außerdem sollte die Übernahme der üstra in den Besitz der Stadt verhandelt und ein Verkehrsverbund ins Leben gerufen werden. Unter Federführung des Verbandes Großraum Hannover, einem Vorläufer der heutigen Region Hannover, wurde der Verkehrsverbund Großraum-Verkehr Hannover vorbereitet. Der 
4. März 1970 gilt als offizieller "Geburtstag" des GVH.

Ministerpräsidet Dr. Diederichs beim Beginn der Bauarbeiten zum U-Bahn-Tunnelbau am Waterlooplatz 1965.
Grundsteinlegung für den U-Bahn-Bau

Die 70er-Jahre: Einheitstarif, U-Bahn-Bau und Busse auf Bestellung

In dem neuen Verbund waren sechs Partner organisiert: Der Verband Großraum Hannover, ÜSTRA, Bundesbahn, Bundespost, Steinhuder Meer-Bahn und die Verkehrsbetriebe Herrmann Bachstein. Als erste Maßnahme wurde 1970 ein einheitlicher Gemeinschaftstarif eingeführt, der auf allen Straßenbahn- und Buslinien im GVH sowie im DB-Nahverkehr galt. Zwei Jahre später, im Frühjahr 1972, trat der erste Gemeinschaftsfahrplan in Kraft. Anfang der 1970er Jahre wurde die ÜSTRA außerdem in ein kommunales Unternehmen überführt. Für die Fahrgäste bedeuteten diese Maßnahmen entscheidende Verbesserungen.

Bereits 1965 wurde am Waterlooplatz in Hannover mit dem Bau einer Tunnelstrecke für die Stadtbahnen begonnen. Vorgesehen war ein U-Bahn-Netz aus vier Linien, die sich im Innenstadtbereich kreuzen.  Nach zehnjähriger Bauzeit konnte am 26. September 1975 die Linie A mit den U-Bahn-Stationen Hauptbahnhof, Kröpcke, Markthalle, Waterlooplatz und einer Rampe an der Haltestelle Gustav-Bratke-Allee eröffnet werden. Die Hannoveraner waren begeistert: Rund 75.000 kamen zur Einweihung.


Eine weitere Neuerung betraf die Buslinien im Bereich Wunstorf: Dort wurde am 4. August 1978 ein Rufbus eingeführt. Damit war es möglich, flexibel auf die Bedürfnisse der Fahrgäste einzugehen. Das Modell war so erfolgreich, dass in den folgenden Jahren weitere Rufbusse und Ruftaxis in der Region hinzukamen. Vor allem in ländlichen Gebieten kann so ein breites und dennoch wirtschaftliches Verkehrsangebot gewährleistet werden.

Ab 1982 wurden die grünen Haltestellenschilder im Großraum aufgestellt.
Ein grünes Haltstellenschild des GVH vor blauem Himmel.

Die 80er-Jahre: Grüne Infomasten, neue Tarifangebote und Entdeckertage

In den 1980er-Jahren wurde die Vereinheitlichung des GVH konsequent vorangetrieben und der Komfort für die Fahrgäste ausgebaut: An allen Haltestellen im Tarifgebiet wurden grüne Infomasten und oft auch Wetterschutzhäuschen aufgestellt. In den neuen Infovitrinen hingen Fahrgastinformationen sowie Linien- und Netzpläne aus.

Zum 1. April 1986 wurden die vorhandenen drei Tarifzonen weiter unterteilt, Nutzern von GVH Monatskarten wurde erstmals ein Jahresabonnement angeboten. Neu eingeführt wurden außerdem die übertragbare Monatskarte, die Mitnahmeregelung und das KombiTicket. Zum 25. Geburtstag des Verbandes Großraum Hannover, der inzwischen zum Zweckverband Großraum Hannover geworden war, wurde der erste "Großraumentdeckertag" veranstaltet, der heute "Entdeckertag der Region Hannover" heißt.

Ende der 1980er-Jahre verbesserte die Deutsche Bahn ihr Nahverkehrsangebot: Die neue CityBahn fuhr auf den Strecken Hannover-Haste und Hannover-Springe. Die Fahrzeiten verkürzten sich, die neuen Fahrzeuge boten mehr Komfort und die Vertaktung mit anderen Verkehrsmitteln wurde optimiert.

Die "Silberpfeile" gehen in den 1990er Jahren, kurz vor der Expo, auf die Strecke.
Silberpfeil auf Schienen

Die 90er-Jahre: Elektronische Fahrplanauskunft, Silberpfeile und Barrierefreiheit

In den 1990er-Jahren wurde das Tarifangebot des GVH weiter ausgebaut: Erstmals waren MobilCards im Regionaltarif erhältlich. Auch das FirmenAbo und die SemesterCard wurden eingeführt. Außerdem wurde das bis heute gültige Tarifsystem mit "Tickets" und "Cards" etabliert.

Die rasante Entwicklung neuer Medien ermöglichte die Einführung einer elektronischen Fahrplanauskunft (EFA): Ab 1996 hatten auch Kunden darauf Zugriff und konnten sich selbst ihre Verbindungen heraussuchen. Über das Fahrgastfernsehen in den Stadtbahnen erhielten Fahrgäste aktuelle Informationen rund um den GVH sowie Nachrichten aus Hannover und aller Welt.

In den Jahren vor der Expo 2000 in Hannover wurde das Nahverkehrsnetz deutlich ausgebaut: So wurde eine Verbindung über Bemerode und den Kronsberg bis zum Expo-Gelände geschaffen. Der hannoversche Zoo erhielt einen Stadtbahnanschluss. Auch die Fahrzeugflotte wurde modernisiert: Die üstra nahm 144 neue Stadtbahnen des Typs TW 2000, die sogenannten "Silberpfeile", in Betrieb.

Erstmals wurden auch Erdgasbusse eingesetzt - bei der ÜSTRA ebenso wie bei der B.U.S., in der sich 1991 verschiedene Nahverkehrsunternehmen zusammengeschlossen hatten. 1998 verschmolzen die Partner in der B.U.S. zur heutigen regiobus.

Barrierefreiheit wurde in den 1990er-Jahren ein großes Anliegen des GVH: Die Verkehrsunternehmen setzten zunehmend Niederflur- und Rampenbusse ein. Darüber hinaus wurden die Stadtbahn-Stationen nach und nach zu Hochbahnsteigen ausgebaut. Alle Tunnelstationen waren nun barrierefrei erreichbar. Erstmals wurden zudem Trainings für mobilitätseingeschränkte Fahrgäste angeboten. Und viele Bahnsteige, an denen S-Bahnen hielten, wurden erhöht.

Pünktlich zur Weltausstellung war das S-Bahn-Netz fertiggestellt. Moderne S-Bahn-Züge sorgten für schnelle Verbindungen in der Region. Vor der Expo 2000 flossen insgesamt rund 1,1 Milliarden Euro in Verbesserungen des Öffentlichen Nahverkehrs. Gut angelegtes Geld: Denn während der 153 Tage, die die Weltausstellung dauerte, fuhren allein 9,3 Millionen Fahrgäste mit den S-Bahnen. Die ÜSTRA beförderte 8,1 Millionen Kunden und die regiobus weitere 1,3 Millionen.

Im neuen Jahrtausend wird der GVH mit seiner App auch auf den Smartphones präsent.
Ein Smartphone mit geöffneter GVH-App wird mit einer Hand bedient.

Das neue Jahrtausend: Kundengarantien, mobile Fahrplanauskunft und Klimaschutz

Der GVH hatte sich im Jahr 2000 längst als moderner und kundenfreundlicher Verkehrsverbund etabliert. Große Änderungen erfolgten in den vergangenen Jahren kaum noch, aber Vieles wurde verbessert: So wurde im Jahr 2002 ein Ganzjahresfahrplan eingeführt - bis dahin waren ein Sommer- und ein Winterfahrplan üblich. Außerdem wurden die Rechte der Fahrgäste ausgebaut: Seit 2003 gibt der GVH ihnen eine Pünktlichkeits- und Sauberkeitsgarantie. Für Fahrgäste mit geringem Einkommen wurde 2009 das Sozialticket eingeführt.

Zunehmend wird die Vernetzung verschiedener Verkehrsarten wichtig: Busse und Bahnen sollen mit dem Fahrrad- und Autofahren kombiniert werden können. Mit dem Angebot Hannovermobil können Inhaber einer MobilCard günstig Mietwagen und CarSharing nutzen. Außerdem erhalten sie eine BahnCard 25 und können viele Vergünstigungen wie Ermäßigungen für Taxifahrten in Anspruch nehmen.

Das Internet wird in diesen Jahren mobil: Deshalb führte der GVH als erstes Verkehrsunternehmen in Deutschland 2008 eine Fahrplanauskunft fürs Handy ein. Seit 2014 ist es nun auch möglich, Fahrkarten online zu kaufen.

Die Fahrzeugflotte wird fortlaufend modernisiert. Das kommt nicht nur den Fahrgästen, sondern auch dem Umweltschutz zugute: Unter anderem die Hybridbusse und abgasarmen sowie umweltschonend hergestellten Fahrzeuge leisten ihren Beitrag dazu, dass die Klimaschutzziele der Region Hannover erreicht werden können.

Ende 2012 wechselte der GVH die Organisationsform: Aus der Gesellschaft bürgerlichen Rechts, die aus üstra und regiobus gebildet wurde, wurde eine GmbH. Sie ist nun ein Mischverbund aus Aufgabenträger und  Verkehrsunternehmen.

Seit Ende des Jahres 2015 gehören dem GVH die Region Hannover als Aufgabenträger sowie die Unternehmen ÜSTRA , DB Regio, metronom mit enno, erixx, regiobus sowie die WestfalenBahn an.